Bilche im Goddelsberg

Schlafmäuse im Urwald von morgen

 

Schlafmäuse sind eine besondere Familie der Nagetiere. Mit den echten Mäusen sind sie nur weitläufig verwandt und sie unterscheiden sich beträchtlich von ihnen. Schon äußerlich fällt ein Unterschied auf: ein buschig behaarter Schwanz ist charakteristisch für die Schläfer.

 

Sie gehören zu den seltenen Säugetieren Europas. Vielerorts sind sie gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Alle Schlafmäuse sind deshalb in Hessen durch die Bundesartenschutzverordnung in Verbindung mit dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt.


Die Haselmaus (muscadinus avellanarius) ist etwa nur daumengroß (7-8 cm Körperlänge und eine Schwanzlänge von 7-8 cm) Ein ausgewachsenes Tier wiegt im Sommer durchschnittlich 20g. Die Haselmaus ist eine Charakterart der artenreichen Wälder und wird im Gegensatz zum Siebenschläfer fast nie in menschlichen Siedlungen gefunden. Sie baut aus Laub, Moos und Halmen ein kugelförmiges Nest. Im Sommer gehören Brombeeren, Himbeeren oder Heckenkirschen neben Blattläusen und Raupen zur Lieblingsnahrung. Mit energiereichen Haselnüssen, Hainbuchennüsschen, Bucheckern und Eicheln fressen sich Haselmäuse im Herbst den nötigen Speck für die kalte Jahreszeit an.

 

Haselmaus
Haselmaus

 

Die Haselmaus muss in Mitteleuropa Winterschlaf halten, denn im Winter findet sie keine Nahrung. Die echten Mäuse dagegen können Gräser und Baumwurzeln verdauen und finden daher auch im Winter immer etwas zu fressen. Der Winterschlaf der Haselmäuse geht meist von Oktober/November bis März/April - je nach Wetter. Dazu bauen sie ein Nest in der Laubstreu, z.B. an einem Stein oder Baumstubben, und rollen sich darin zusammen. Ihr Herz schlägt dann nur noch einmal pro Minute und die Körpertemperatur wird auf 4°C abgesenkt.


Der Siebenschläfer (Glis glis) ist wohl der bekannteste Vertreter der Bilche. Er ist etwa halb so groß wie ein Eichhörnchen (13-20cm und 70-130g schwer, im Herbst bis 190g). Er bewohnt hauptsächlich alte, abwechslungsreiche Laubmischwälder, am liebsten mit vielen Buchen. Manchmal trifft man ihn auch in alten Gärten und Parkanlagen an, wo er ein verborgenes Nachtleben führt. An diese Lebensweise erinnern auch die großen dunklen Augen. Das Nest baut der Siebenschläfer aus Laub und Zweigen in Astgabeln lieber aber noch in hohlen Bäumen, Felsspalten oder auch auf Dachböden. Er ernährt sich von Samen, Früchten, Insekten gelegentlich auch Vogeleier und Dunenjunge. Den Winterschlaf verbringt er in einem Versteck. Dieser dauert von Oktober bis Mai, also sieben Monate. Daher auch die Bezeichnung Siebenschläfer. 

 

Siebenschläfer
Siebenschläfer

 

Im Rahmen langjährig geplanter Untersuchungen der Haselmausbestände richtet die Naturschutz-Akademie Hessen momentan ihr Augenmerk auf den Goddelsberg. Es wurden spezielle Nistgeräte angebracht, die im Spätsommer gerne Haselmäuse und Siebenschläfer als trockene Tagesquartiere nutzen. Damit möchte man die Bestände dieser europaweit besonders geschützten Arten stützen.

 

 

Nachweise im Goddelsberg:

 

von 1993-2006:    21 Haselmäuse, 61 Siebenschläfer

Sommer 2008:     4 Haselmäuse, 1 Siebenschläfer,

Herbst 2008:         2 Haselmäuse, 2 Siebenschläfer,


Sommer 2009:    5 Haselmäuse (Nester), 1 Siebenschläfer,

Herbst 2009:        2 Haselmäuse (Nest), 10 Siebenschläfer,


Sommer 2010:    4 Siebenschläfer,

Herbst 2010:        2 Siebenschläfer,


Sommer 2011:    8 Siebenschläfer,

Herbst 2011:        22 Siebenschläfer

 

 

Siebenschläfer
Siebenschläfer